Gemeinde Lauenbrück
    Gemeinde Lauenbrück

Geschichte von Lauenbrück

Lauenbrück wurde urkundlich erstmals im Jahr 1358 erwähnt und war Flussquerung für die Flüsse Wümme und Fintau.

Wenn im Jahr 2008 das 650-jährige Bestehen Lauenbrücks gefeiert wurde, so geht der runde Geburtstag auf die erste historische Erwähnung eines Dorfes namens Palingebrughe ("Pfahlbrücke“) in einer Kaufvertragsurkunde des Jahres 1358 zurück. Das frühe Rechtsgeschäft besiegelte den Übergang von drei Höfen in das Eigentum des Herzogs Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, der am Zusammenfluss von Fintau und Wümme sein Schloss Leuwenbrughe ("Löwenbrücke“, später: Lauenbrück) errichtet hatte. Diese Stelle war Keimzelle der Entwicklung des adeligen Gutes und Dorfes Lauenbrück. Bis 1932 war Lauenbrück eine lüneburgische Exklave und wurde erst dann vom Landkreis Harburg dem Landkreis Rotenburg angegliedert.
Lauenbrück am Zusammenfluss von Fintau & Wümme (Kurhann. Landesaufnahme 1769)

Der erste Teil des Ortsnamens geht auf die welfischen Herzöge von Braunschweig-Lüneburg zurück. Lauen verweist auf deren Wappentier, den Löwen. Der zweite Teil des Ortsnamens, brück, geht auf eine bei Lauenbrück in früheren Jahrhunderten bestehende Brücke (vermutlich eine Pfahlbrücke mit einer Länge von 40 bis 80 Metern) zurück, die als Teil eines alten Heerweges die beiden Flüsse Fintau und Wümme überquert haben soll. Hinweise auf die tatsächliche Existenz dieser Brücke wurden im Jahr 1999 beim Neubau der Sohlgleite am Zusammenfluss von Fintau und Wümme in Form 600 Jahre alter Eichenpfähle gefunden. Das Wappen der Gemeinde zeigt einen blauen Löwen auf goldenem Grund, der über diesen Knüppeldamm schreitet.
Das Wappen von Lauenbrück Die alte Bothmersche Kornmühle am Schmiedeberg

Im Mittelalter verlief hier ein wichtiger Abschnitt des Heer- und Postweges zwischen Bremen und Harburg. Die einstige Brücke über Fintau und Wümme war die früheste Lebensader für Lauenbrück. Reisende zwischen den großen Städten an Weser und Elbe mussten das Nadelöhr passieren und fanden bald eine Ausspannstation mit Gaststätte vor. Pferde wurden gewechselt, Quartier genommen, Handel getrieben. Auf diese Weise wuchs wohl früh schon eine Ortschaft heran, die sich unterschied von den Nachbar-dörfern mit ihrem allein bäuerlichen Gepräge.

Der Schmiedeberg ist der älteste Ortsteil. Der dort liegende Teich bildet ein Überbleibsel des einstigen Schlossgrabens. Hier stand bis Ende der 1960er-Jahre auch die alte Bothmersche Kornmühle, die vom Wasser der Fintau angetrieben wurde.

Die zwischen 1344 und 1352 errichtete und 1775 abgebrannte Burg Löwenbrücke selbst stand an der Stelle, an welcher sich heute der Campingplatz befindet. Seit 1483 ist die Familie von Bothmer in Lauenbrück ansässig, die bis ins 19. Jahrhundert gutsherrliche Privillegien und das adelige Gericht in Lauenbrück innehatte. Von 1858 bis 1860 ließ Theodor Freiherr von Bothmer das heutige Herrenhaus erbauen.
Der Bothmersche Gutshof um 1930

Berühmtester Sohn des Ortes war Reichsgraf Johann Caspar von Bothmer (1656-1732), der als Diplomat in Diensten des Kurfürsten von Hannover, Georg Ludwig, der seit 1714 als Georg I. auch König von England war, zu einem der engsten Berater des Königs wurde. Von 1720 bis zu seinem Tode 1732 hatte Johann Caspar von Bothmer als „Erster Minister für die Deutschen Angelegenheiten“ Wohnung und Arbeitsplatz in der Downing Street 10 in London, dem Sitz des heutigen Premierministers.
Johann Caspar Reichsgraf v. Bothmer (1656 - 1732)
Im Jahr 1858 wurde das gräfliche Gut ein selbständiger Gutsbezirk, an dessen Spitze der Gutsvorsteher Theodor von Bothmer stand. Damit hatte der Ort Lauenbrück zwei selbständige Gebietskörperschaften, einerseits die Landgemeinde und andererseits die Gutsgemeinde. Erst 1928 wurde diese Trennung wieder aufgehoben und der selbständige Gutsbezirk der Landgemeinde Lauenbrück zugeordnet.

Älteste innerörtliche Straße ist die parallel zur Fintau verlaufende Bahnhofstraße – entlang der fruchtbaren Strecke siedelte sich früh Landwirtschaft an. Trotzdem wurde Lauenbrück nie ein rein bäuerlich geprägter Ort, wie z. B. die benachbarten Dörfer Vahlde und Stemmen.
Hofstelle Dreyer (Pagels) um 1905 Die Berliner Straße um 1926

Der historisch wichtigste Ort der Gemeinde ist aber das Bahnhofsgebäude. Die Fertigstellung der Eisenbahnlinie Hamburg-Bremen mit Halt in Lauenbrück läutete 1874 die neuere Geschichte des Ortes ein, der somit eine Art Brückenkopf zwischen den beiden Hansestädten blieb. Mit der Nachfrage der aufblühenden Großstädte Bremen und Hamburg nach Arbeitskräften und Nahrungsmitteln und der besseren Verfügbarkeit von Baumaterial, Maschinen und Düngemitteln hatte Lauenbrück dank des Bahnhofes einen entscheidenden Standortvorteil.
Lauenbrücker Bahnhofspersonal um 1925 / Bahnübergang Heidhorn Mitte der 1950erJahre

Als Folge zogen viele Eisenbahnarbeiter in den Ort. Abermals verlief die Historie Lauenbrücks anders als die der Nachbardörfer; es entwickelte sich eine zu großen Teilen proletarische Bevölkerung. Dies führte auch dazu, dass die klassische Arbeiterpartei SPD hier früh Fuß fassen konnte. Bis heute ist Lauenbrück ein roter Farbklecks in einer ansonsten schwarzen Region geblieben.

Im Jahr 1931 kam es zu einem verheerenden Großbrand in Lauenbrück, bei dem 25 Gebäude, darunter auch die Schule, völlig vernichtet wurden.
Die alte Schule nach dem Großbrand 1931

Nochmals kräftig durchgemischt wurde die ansässige Bevölkerung, als nach 1945 zahlreiche deutsche Heimatvertriebene Zuflucht in Lauenbrück fanden. Auch andere Dörfer nahmen damals viele Flüchtlinge auf. Das Besondere im Falle Lauenbrücks ist jedoch, dass ein sehr großer Anteil von ihnen sich dauerhaft ansiedelte. Dutzende Siedlungshäuser der 50-Jahre prägen bis heute das Bild des Ortes. Um etlichen Neusiedlern ein Auskommen in der Landwirtschaft zu ermöglichen, wurden ab 1955 große Teile des brach liegenden Hammoores in Kultur genommen, ein leistungsfähuges Wege- und Grabennetz ausgebaut und auch die Regulierung der Fintau durchgeführt. In diese Zeit fällt die Gründung der Siedlung Stell, wo sieben Flüchtlingsfamilien ihr bäuerliches Auskommen sichern konnten.
Siedlungshäuser am Sonnenweg um 1950 Regulierung der Fintau 1955/56
Kultivierung des Hammoores um 1960 Wegebau um 1955 / Richtung Königsmoor

Der Bahnanschluss ermöglichte den Neubürgern, das Leben im Dorf mit der Arbeit in der Stadt zu verbinden – der moderne Pendler, eine bis heute im Ort weit verbreitete Spezies, war geboren.1977 war der Ort nach Schließung des Bahnhofes allerdings vorübergehend von der Strecke abgekoppelt. Große Proteste führten aber schon 1980 zur Wiederöffnung des Bahnhofes.

Nach dem Bau der Martin-Luther-Kirche im Jahr 1957 wurde Lauenbrück ab 1970 auch eine eigenständige Kirchengemeinde, nachdem es über Jahrhunderte ins Kirchspiel Scheeßel eingepfarrt war.

1971 wurden schließlich die bisher selbständigen Gemeinden Lauenbrück, Fintel, Vahlde, Helvesiek und Stemmen zur bis heute bestehenden Samtgemeinde Fintel zusammengeschlossen. Die nicht unumstrittene Gebietsreform führte zu dem Kompromiss, dass Fintel Namensgeber und Lauenbrück Verwaltungssitz der Samtgemeinde wurde.
Neubau der Martin-Luther-Kirche 1957 Die alte Schliemannsche Ziegelei

Im Jahr 1974 ging auch die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichende Geschichte der örtlichen Ziegelbrennerei zu Ende. In diesem Jahr wurde der Schornstein der alten Schliemannschen Ziegelei gesprengt, die mit ihren Backsteinen entscheidend das Ortsbild und die Architektur Lauenbrücks geprägt hatte.
Um 1960: Gasthaus & Hotel Wümmetal und Gasthof Zur Eisenbahn ("Ünnern Strohdack")

Zu den Highlights der neueren Geschichte zählen sicherlich der Neubau der Fintauschule (Haupt- und Realschule), die seit 2002 das schulische Angebot der Gemeinde entscheidend verbessert hat, sowie die 650-Jahrfeier des Ortes im Jahr 2008.

Die Einwohnerzahl Lauenbrücks hat sich nach dem Krieg mehr als verdoppelt, von 744 im Jahre 1939 auf 1612 anno 1945. Heute leben etwa 2.200 Bürger in der prosperierenden Gemeinde, die seit 1932 zum Landkreis Rotenburg (vorher Landkreis Harburg) und seit 1971 zur Samtgemeinde Fintel gehört.

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Geschichtlicher Rundgang durch Lauenbrück

Anläßlich der 650-Jahrfeier im Jahr 2008 wurde von einer kleinen Arbeitsgruppe ein innerörtlicher Rundwanderweg ausgearbeitet, der prägnante Stationen der Lauenbrücker Geschichte veranschaulicht.

► Den Flyer und die Tafeln zum Geschichts-Rundwanderweg finden Sie in Kürze hier.

Weitere Bilder und Fotos aus der Lauenbrücker Geschichte finden Sie auch im 2008 erschienen Bildband von Lauenbrück.

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Sonderband Rotenburger Schriften (1958): 600 Jahre Lauenbrück

Anlässlich der 600-Jahrfeier von Lauenbrück im Jahre 1958 hat der Heimatbund Rotenburg einen Sonderband zur Geschichte von Lauenbrück herausgegeben.
Den Sonderband 600 Jahre Lauenbrück finden Sie hier:
Sonderband Rotenburger Schriften 1958 - 600 Jahre Lauenbrück (Teil 1) - 8,9 MB

Sonderband Rotenburger Schriften 1958 - 600 Jahre Lauenbrück (Teil 2) - 9,5 MB

Sonderband Rotenburger Schriften 1958 - 600 Jahre Lauenbrück (Teil 3) - 9,1 MB

Wir danken dem Heimatbund Rotenburg, der uns die Einstellung des Heftes auf der Homepage erlaubt hat !
Sonderband Rotenburger Schriften 1958 - 600 Jahre Lauenbrück (Teil 1)
RS-Sonderband-1958_Teil-1
RS-Sonderband-1958_Teil-1.pdf
PDF-Dokument [8.7 MB]
Sonderband Rotenburger Schriften 1958 - 600 Jahre Lauenbrück (Teil 2)
RS-Sonderband-1958_Teil-2
RS-Sonderband-1958_Teil-2.pdf
PDF-Dokument [9.3 MB]
Sonderband Rotenburger Schriften 1958 - 600 Jahre Lauenbrück (Teil 3)
RS-Sonderband-1958_Teil-3
RS-Sonderband-1958_Teil-3.pdf
PDF-Dokument [8.9 MB]
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